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Wer unterschiedliche Firmen betreut, stößt auf ein umfängliches Spektrum sehr unterschiedlicher Realitäten.
Dem Filmproduzenten Samuel Goldwyn etwa wird der folgende Ausspruch zugeschrieben:
„Ich will, dass jeder mir seine Meinung sagt, auch wenn es ihn den Job kostet“
Von der Geschäftsleitung mit einem Augenzwinkern gesagt, wird der Satz zu einem Indikator für die Gestaltung eines humorvoll‑selbstreflektierten Betriebsklimas. Dort funktionieren sogar Kollaborationstools wie Git Flow, Gantt‑Charts und Projektpläne ganz leidlich. Wird Ehrlichkeit, Offenheit und werden sog. nicht‑vorwerfbare Fehler zu einem persönlichen Risiko, entsteht ein für das Unternehmen gefährliches, toxisches Betriebsklima. Die in der Organisation konkret gelebte Art des Miteinanders stellt den wesentlichen Einflussfaktor auf die Art und Weise dar, in der Projektmanagement abläuft. Das real existierende Projektmanagement ist ein Spiegel (auch) des Betriebsklimas. Stichworte wie Wasserfall, agil (welches „agil“ ist gemeint? Scrum? Kanban? Oder?), Lean und DevOps sind für Aufwand, Stress, Fehlzeiten, Fluktuation und das Ergebnis zweitrangig. In Kulturen mit Verbesserungspotenzial 😉 kann der Begriff „Ab‑Teilung“ seine ganze trennende Wir‑gegen‑Die‑Dynamik von Absicherung, Verächtlichmachung und Blame‑Storming ungestört entfalten. Abstimmungskosten und ‑aufwand bleiben unabhängig von auch den tollsten Werkzeugen hoch. Auch der Ideenreichtum wird sich trotz bestens angewendetem Design Thinking in vorsichtigen Grenzen halten. Wer zum Thema Unternehmenskultur mehr als Geplapper will, liest sich in die Ergebnisse von 17.000 strukturierten Befragungen mit anschließendem Clustering der GLOBE-Studien ein und leitet daraus konkrete Maßnahmen ab. Am besten zusammen mit einem Fachmann, der sich auskennt, weil so am ehesten ein tragfähiges Fundament entsteht. Echte Agilität beispielsweise erfordert ein erhebliches Maß an Commitment, Selbstverpflichtung und Engagement. Und Führungskräfte, welche diese Kultur zu fördern imstande sind oder proaktive Entwicklungsfähigkeit in diese Richtung zeigen. Ansonsten entsteht agiles Theater. DevOPs beispielsweise ist kein Projektmanagement‑Tool, auch nicht jira oder was auch immer. DevOps ist eine handlungsleitende innere Haltung, eine besondere Art des Denkens und ja, auch des Fühlens. Planen Sie einige Jahre kompetenten Führungshandelns für die Transformation ein, um die äußerst positiven Wirkungen von DevOps zur Entfaltung zu bringen. Projektmanagement funktionert immer nur genau so gut, wie die dahinter stehende Unternehmenskultur es zulässt.
„Ich argumentiere nicht. Ich erkläre lediglich, warum ich Recht habe.“
Szene‑Spruch
Der Satz mag lustig wirken - so lange wir nicht als Projektmanager mehrere Leute mit dieser inneren Haltung vor uns haben,
die sich gerade im Rechthaber‑Modus aneinander emotional ereifernd hochhangeln.
Ein in Mediation gut trainierter Projektleiter kann eine solche Situation entspannt entspannen 😉.
Manche Naturtalente können das auch ohne Training ganz gut.
Oft gilt leider: Einbildung ersetzt Ausbildung.
(Der Vollständigkeit halber auch der zweite Teil: Nur Ausbildung ersetzt Einbildung.
Den Satz fand ich vor vielen Jahren in der Praxis meines Zahnarztes).
Und selbst für Naturtalente gilt KVP mit dem Grundgedanken „Besser geht immer“.
Warum nicht alles können, was tausende Naturtalente können?
Die Wirtschaftspsychologie untersucht diese Phänomene seit Jahrzehnten vielfach in der Praxis und identifiziert typische Muster und Ursachen.
Drei zentrale Erkenntnisse:
Im Vergleich zum Gesagten haben noch ausgebufftere Kontrolltools, vom Dashboard bis zu MicroGantt, kaum relevante Bedeutung in Bezug auf den Projekterfolg.
Auch die Glaubenskriege um „klassisch‑prozedural“ vs. „agil“ verfehlen den Kern der Nützlichkeit deutlich.
Solche Diskussionen sind häufig Stellvertreterkonflikte, an denen sorgfältig verborgener Groll an der Oberfläche lächelnd ausgelebt wird.
Auch DevOps, eine Mischung aus Philosophie und Werkzeugen zur besseren Abstimmung von IT und Abteilungen, kann ohne taugliche Basis nur an der Oberfläche wirken.
Zum Abschluss eine Überlegung:
Die Chefetage tönt beglückt „Wir führen KI ein, damit werdet ihr 30% effizienter!“
Was die Menschen sagen: „Super, Chef!“
Was die Menschen denken: „Habe ich dadurch nur noch 30 Stunden die Woche bei vollem Lohn? Wohl kaum. Macht nur den Chef noch reicher und der Dank ist ein Burnout!“ oder
„Oops, wird dann die nette Kollegin entlassen?“ oder „Super, noch mehr Bälle zum gleichzeitigen Jonglieren.
Das ist genau das, was ich jetzt noch zusätzlich brauche.“
Wer auf diese Fragen, Gedanken und Sorgen nicht vorab(!) glaubwürdige Szenarien liefert, wird es aller Voraussicht nach mit einem eher zähen Projekt zu tun haben.
Das darin liegende „geplante Misslingen“ ist dann selbst gemacht.
Menschen sind keine Maschinen.
Wirtschaftspsychologische Kompetenz bedeutet, diese nur scheinbar banale Erkenntnis in gezielt wirksames Denken, Fühlen und Handeln zu überführen.
Reden wir jetzt darüber!
P.S.:
Einige ketzerische Anmerkungen zum Thema „agiles Manifest“, philosophische(!) Grundlage des agilen Projektmanagements, darunter ein persönliches Fazit:
| Agiles Manifesto | Perversionsoption nach Gems |
| Individuen und Interaktionen vor Prozessen und Werkzeugen | Jeder macht, was er will. Compliance? Lächerlich! Individuelle Ziele über Unternehmensziele. Das ist angenehm. Im Sinne des Unternehmens gut funktionierende Autonome Teams sind der Traum aller „Laissez-Faire-Führungskräfte“. Leider ist das so eine Sache...der Laissez‑Faire‑Führungsstil ist, wissenschaftlich sehr gut belegt, derjenige mit dem geringsten Führungserfolg. Prozesse dagegen sind kondensierte, überindividuelle Erfahrung in Verbindung mit Metriken und Logik. Warum soll diese Erfahrung hinter persönlichen Zielen und Befindlichkeiten zurückstehen? |
| Funktionierende Software vor umfassender Dokumentation | Dokumentation ist eh' langweilig. Code now, fix later. Have fun. Nach mir die Sintflut. Was geht mich die spätere Wartbarkeit an? Bis dahin bin ich längst über alle Berge und mit sehr gutem Arbeitszeugnis bei der nächsten Firma. |
| Zusammenarbeit mit dem Kunden vor Vertragsverhandlung |
Na klar setzen wir den erratischen Zickzack‑Kurs des Königs Kunde täglich neu um.
Aber wie sieht es später mit der Bezahlung der daraus folgenden Rechnungen aus? Tipps: (a) BER als hoch agil entwickeltes Projekt und (b) „Kunden aus der Hölle“ (ausderhoelle.de) |
| Reagieren auf Veränderung vor Befolgen eines Plans | Failing to plan is planning to fail. |
Mein persönliches Kurzfazit:
Menschen zeigen immer wieder eine faszinierende Fähigkeit darin, grundsätzlich gute Systeme zu pervertieren.
„Agil“ stellt da keine herausragende Ausnahme dar.
Natürlich arbeiten viele Entwickler sehr gerne agil, das darf auch kaum wundern:
Wer würde sich nicht gerne die persönlichen Rosinen aus einem Backlog, der Liste zu erledigender Arbeit, herausfischen?
Für die passenden Anwendungen eingesetzt, ist diese Arbeitsweise schließlich ja auch vielen anderen weit überlegen.
Halt nur nicht immer, wir machen es uns oft zu einfach und folgen gut vermarkteten Ideen, weil sie gut vermarktet sind und plausibel klingen.
Da fällt mir spontan so ein buntes, vierfarbiges Persönlichkeitsmodell ein 🙄.
Selber denken ist angesagt:
Für welche Projektarten, Unternehmenskulturen, Persönlichkeitseigenschaften der beteiligten Personen Agilität in welcher Form eingesetzt werden sollte,
darf rechtzeitig gut durchdacht werden. Erst grübeln, dann dübeln.
Reden wir jetzt darüber!
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