IT‑Recruiting und echte Führungspsychologie
Bevor jemand anfangen kann, für uns zu arbeiten, steht das Recruiting von Projektmanager und Entwickler:innen an.
Schauen Sie sich einmal die Stellenanzeigen des Wettbewerbs an:
meist weder (a) Nerd‑Humor noch (b) Easter‑Eggs, kein Hinweis darauf, dass (c) nervtötende Meetings entfallen und es (d) Zeiträume garantierter Ungestörtheit
(ungestört auch von E‑Mails und Chefs) für hoch konzentriertes, bugfreies Entwickeln oder KI‑Orchestrieren gibt.
Dagegen finden wir den Obstkorb oder andere selbstverständliche Banalitäten.
Wer das nötig hat, kickt sich selbst aus dem Rennen.
Im Gespräch mit meinen Studierenden gehört der Obstkorb jedenfalls zu den Running Gags.
Und das sind nicht längst nicht alle und auch nicht die stärksten oder peinlichsten Abschrecker.
Mit fundierter Werbepsychologie oder den sieben Vollständigkeitsebenen können wir viele weitere und oft überraschende Punkte abgrasen, die auf Bewerber und ‑innen magnetisch wirken.
Da nur wenige Unternehmen wirtschaftspsychologisch kompetent handeln, sind die Umsetzungsergebnisse „low hanging fruits“.
Es könnte so einfach sein, probieren Sie es einfach einmal aus. Das „Wie“ entwickeln wir gemeinsam.
Wie der Nobelpreisträger Kahneman gut belegt formuliert:
Menschen neigen dazu, schwierige Fragen durch einfache zu ersetzen und diese dann entspannt zu beantworten.
Wir glauben dann allen Ernstes (unbewusst), damit auch die schwierige Frage beantwortet zu haben.
Im HR‑Bereich ist die schwierige und hoch sinnvolle Frage bei Stellenbesetzungen und Beförderungen die nach „Eignung“.
Sie ist anspruchsvoll und wird daher bei geringen Reifegraden der Organisation durch die einfache Frage nach „Erfahrung“ ersetzt.
Finden wir in Stellenanzeigen regelmäßig.
Aus diesem Grund laufen da draußen viele Menschen mit viel Erfahrung und wenig Eignung für ihren jetzigen und auch zukünftigen Job herum.
Tragisch für alle Beteiligten.
Das nutzbare Fachgebiet heißt „Eignungsdiagnostik“, DIN 33430 stellt einen Anfang dar.
Aber so einfach wie die magnetische Stellenanzeige ist die Umsetzung nicht:
es braucht ein wenig davon, was ich unter „Innovation“ schildere.
Oder wie es bei TOYOTA sinngemäß heißt:
„Erst entwickeln wir Menschen. Und DIE entwickeln dann Autos.“
Zugeschrieben Fujio Cho, u.a. ehem. Chairman der Toyota Motor Corporation
Als Wirtschaftspsychologe weiß ich, dass die Sinnhaftigkeit dieses Leitbilds inzwischen wissenschaftlich gut belegt ist.
Gut, nehmen wir also für den Moment an, wir hätten weitgehend geeignete Personen intern, extern oder als Freelancer‑Netzwerk gefunden und
die Dinge nehmen ihren Gang.
Seltsames ist Normalität, immerhin haben wir uns echte Menschen eingehandelt.
„Ich wollte Arbeitskräfte. Und bekam...ganze Menschen.“
Zugeschrieben Henry Ford
Beispielsweise sind Projekte in manchen Unternehmen typischerweise sehr zügig zu 90% abgeschlossen, die restlichen 10% dauern dann noch einmal genau so lange 🙄.
Die Root Cause Analysis (RCA) kann dann ergeben, dass Führungskräfte das Instrument „Anerkennung“ ungünstig einsetzen.
Oder sie verwenden regelmäßig einen oder mehrere der 14 wirkungsstärksten Gesprächsstörer,
handeln entgegen den 8 Grundmotiven des Menschen oder erzeugen auf andere Weise genau so sinnlos wie unbewusst Widerstand gegen die eigenen Ziele.
Die Vielfalt an herausfindbaren Ursachen und ihren Lösungen kann ich hier nicht in Ansätzen auflisten.
Verläuft Führung suboptimal (wenn also das Personal nichts taugt 😉),
ist eine fachkompetente Intervention und damit eine neue Herangehensweise eine gute Idee.
„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“
Zugeschrieben Albert Einstein
Stellen Sie sich für den Moment bitte einmal vor, Sie hätten im Zuge von Experimenten, Beobachtungen und inferenzmathematischen Analysen
die Ergebnisse aus tausenden untersuchten Unternehmen, dem dort in der Praxis ausgeübten Führungshandeln samt Führungsergebnissen zur Verfügung.
Ein gewaltiger Erfahrungsberg.
Daraus wiederum haben schlaue Leute mit sehr großem Aufwand die zentralen Muster herausgefunden.
Damit nicht genug, zu den Mustern erfahren wir, ob und wie sie ver‑ und erlernbar sind, je nach Wirkungsrichtung.
Wie cool wäre das denn?! Und ja, genau so etwas gibt es.
Dieser gewaltige und stets wachsende Wissensschatz der Wirtschaftspsychologen heißt Führungspsychologie.
Reden wir jetzt darüber!