Requirements Engineering RE - Anforderungsanalyse - Business Analysis
„Engineering“ hört sich beruhigend‑suggestiv so an, als könnten wir diesen Teil des Software Engineerings sauber abarbeiten.
Das können wir nicht.
Denn es gibt kein Kriterium, an dem wir berechtigterweise Vollständigkeit festmachen können.
Der beliebte Ausruf „Ich habe schon alles versucht!“ ist aus dem gleichen Grunde ohne sachliche Basis, allerdings keinesfalls sinnlos:
denn der Ausrufer gibt sich damit selbst die Erlaubnis, weitere Anstrengungen unterlassen zu können und zwanglos in die Entspannungsphase zu wechseln.
Ganz praktisch, so gesehen.
„Denn wie sagte mein Vater schon? Mach' dich bloß nicht kaputt, mein Sohn!“
Ausdruck im Lied „Also denn“ von Mike Krüger, 1976
Wer knackiger drauf' ist, schaut sich meine Inhalte zum Thema „Innovation und Kreativität“ an.
Damit beginnt Requirements Engineering, interessant zu werden.
Auch, dass Kundenwünsche gerne mal die Gesetze der Physik ignorieren, trägt angenehm bei.
Wir lächeln freundlich und notieren dankend den Input.
Und manchmal, ja ganz manchmal kommt jemand im Rahmen eines Kreativitätsworkshops durch diesen Input auf eine tatsächlich geniale Idee.
RE ist nicht logisch, sondern psycho‑logisch (bewusst so geschrieben).
Fehler bei der Anforderungsanalyse entfalten systematisch erst in der Betriebsphase, nach dem Deployment, ihre fatale Wirkung:
fehlt etwa eine Anforderung, gelangt sie nicht in die SOLL‑Architekturbeschreibung, wird daher nicht in Code übertragen, bleibt in der Phase „Test gegen Spezifikationen“
ein schwarzes Loch - aber der Kunde fällt aus allen Wolken.
Im V‑Modell wird dieser Zusammenhang durch die gleiche Höhe visualisiert.
Oder es wird das Grundprinzip hoher Qualität „Hohe Modularisierung - geringe Kopplung - hoher Zusammenhalt“
als Forderung vergessen, erweisen sich Änderungen später als teuer bis chaotisch.
Und gefährlich wird es auch: hohe Kopplung zwischen Modulen gilt als Quelle systematischer
Angreifbarkeit - Unsecurity by Design.
Wenn wir schon beim Thema sind: Wird vergessen zu fordern, dass die z.B. von MITRE veröffentlichten Software-Schwächen zu vermeiden sind,
erzeugen wir eine große Angriffsfläche.
Auch bei Funktion im Betrieb, Betriebssicherheit, MTBF, Wartbarkeit, Erweiterbarkeit, Wiederverwendbarkeit im Sinne einer langfristigen Modulbibliothek,
Bedienbarkeit auf Basis kognitiver Leistungsfähigkeit der Benutzer sowie Wiederanfahrbarkeit nach Ausfall u.v.m. lohnt Gewissenhaftigkeit.
Vollständigkeit auf angemessenem Niveau ohne Analyse‑Paralyse oder Scope‑Creep ist eine von mehreren, ökonomisch sinnvollen Forderungen,
die gerne mit souveräner Handbewegung vom Tisch gewischt werden.
Der als Denkschwäche bekannte, sog. Action Bias („Können‑wir‑jetzt-endlich‑loslegen?‑Denkfehler“) schlägt mit seinen Spätfolgen unerbittlich zu.
„Fehler im Requirements Engineering sind wie Fundamentfehler am Haus: Je später man sie bemerkt, desto teurer wird der Abriss.“
Szene-Satz
Abhilfe entsteht durch Sorgfalt:
Kompetente Moderation eines SPICE‑tauglichen Prozesses mit klugen Fragetechniken, qualifiziertem Zuhören und WWW oder GFK‑Feedback in einer für RE geeigneten Form.
Es handelt sich um knallharte Soft‑Skills, deren Erlernen genau so wenig an einem Seminartag funktioniert, wie das Führen eines Sportflugzeuges oder elegantes Schlittschuh‑Laufen.
Aber im Gegensatz zur Pilotenlizenz gehören diese Fachkompetenzen zur Basisausstattung eines tauglichen Requirements‑Engineering‑Prozesses.
Sie sind erlerbar, aber auf eine für Sie vermutlich ungewohnte Weise.
Es wird nicht wundern, dass die Kombination aus software‑erfahrenem Ingenieur und in der Ausbildung erfahrenen Wirtschaftspsychologen für den Begleitprozess auf dem Lernpfad besonders geeignet ist 😉.
Sie erfahren dann nebenbei auch, welche Frage sich wissenschaftlich als die beste beim Speed‑Dating erwiesen hat und wie es weitergehen sollte.
Dass diese Dinge erlernbar sind, wissen wir spätestens seit den Romeo‑Spionen der DDR,
die Grundideen der Methoden werden heute als Social Engineering oder Human Hacking bezeichnet und sind maßgeblich weiterentwickelt.
Ein großes Thema auch im Feld der Cybersecurity.
Reden wir jetzt und damit hoffentlich noch rechtzeitig darüber!